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7. November 2014

(*gelesen*) Der Schwimmer




\\   Der Schwimmer   \\   Joakim Zander  \\   432 Seiten   \\   Broschiert   \\  Rowohlt Polaris   \\ Thriller   \\   2014   \\


Damaskus: Das Kind in seinen Armen hat hohes Fieber, atmet kaum noch. Im nächsten Moment explodiert eine Bombe: Die Frau, die er liebt, stirbt. Doch der Anschlag galt ihm. Dem amerikanischen Agenten. 


Brüssel: Im Haifischbecken der EU bewegt sich die schwedische Referentin Klara Walldéen mühelos. Doch dann begegnet sie Mahmoud wieder, einem erfolgreichen Politologen, ihrer großen Liebe. Er besitzt Informationen, die seinen Tod bedeutet können. Und auch Klaras.

Arkösund & Schären: Ihr Fluchtpunkt. Hier ist Klara aufgewachse. Hier gibt es Menschen, so rau wie die Natur. Auf die Verlass ist. Ganz gleich, wie hoch die Wellen schlagen. 

Langley: Der amerikanische Agent ist der Einzige, der Klara retten kann. Ein Mann, der bei seinen Einsätzen alles vergessen wollte: Vergangenheit. Schuld. Sein Kind, das er nie wiedergesehen hat. Und der der nur an einem Ort Ruhe findet. Im Wasser. Während er seine Bahnen schwimmt. Zug um Zug. 

10. Juli 2013

(*rezension*) Stadt der Diebe

 Autor: David Benioff

Originaltitel: City of Thieves

Taschenbuch, 381 Seiten

Verlag: Heyne
Homepage des Verlages:  www.randomhouse.de

Genre: Krimi und Thriller

EUR 9,95 [D], EUR 10,30 [A]

  - - > Leseprobe < - -



Leningrad im Januar 1942: Weil er während der nächtlichen Ausgangssperre die Leiche eines deutsches Soldaten nach Essbarem durchsucht hat, wird der 17-jährige Lew sofort verhaftet - auf Plündern steht die Todesstrafe. Nach endlosen Stunden in einer kargen Gefängniszelle wird er allerdings nicht aufs Schafott, sondern zusammen mit seinem Mithäftling Kolja vor den Geheimdienstchef der Stadt geführt. Der stellt die beiden vor eine schier unlösbare Aufgabe - im Tausch gegen ihr Leben sollen sie innerhalb von sechs Tagen im ausgehungerten Leningrad zwölf Eier für die Hochzeitstorte seiner Tochter auftreiben. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt...

  
"Eier?" Timofei betrachtete uns, dann Goldstück, dann wieder uns. Er schien das für einen Witz zu halten. "Keiner traut unserem Goldstück etwas zu.", fuhr Kolja fort, "aber ich glaube, die schafft das. Kennst du dich mit Hühnern aus? Meinst du, dass sie bist Donnerstag ein Dutzend Eier legt?
 (Seite 141)


Kolja und Lew lernen sich im städtischen Gefängnis kennen. Kolja, ein Deserteur der russischen Armee und Lew, der dabei erwischt wurde, wie er einen toten deutschen Soldaten durchsucht. Zu Zeiten des zweiten Weltkrieges Verbrechen, die sofort mit der Todesstrafe bestraft werden. Doch beide erhalten die einmalige Chance genau diesem Schicksal zu entrinnen, wenn sie dem russischen Geheimdienstchef ein Dutzend Eier für die Hochzeitstorte seiner Tochter besorgen können...Doch die Aufgabe scheint unmöglich, denn die Stadt ist abgeriegelt; die meisten Menschen haben Leningrad verlassen und die, die geblieben sind, hungern...

Meiner Meinung nach gehört dieser Roman definitiv zu denen "mit Tiefgang". Ich kann mich sehr gut erinnern, dass ich ganz locker und entspannt mit einer Chipstüte dieses Buch gelesen habe und mir wirklich sehr schnell der Appetit vergangen ist, als die genauen Lebensumstände in Piters, so wie Leningrad damals von seinen Bürgern genannt wurde, beschrieben wurde und natürlich auch beschrieben wurde, wie sehr die Menschen gehungert haben und was sie nicht alles gegessen haben, um zu überleben. Und nicht nur das, sondern auch der Bezug zur Historie, dem Zweiten Weltkrieg, lässt sich nicht ausblenden. Während des Lesens habe ich mich wirklich sehr oft gefragt, ob und inwiefern die Fakten und Informationen zu Leningrad und rund um den Zweiten Weltkrieg in diesem Buch wahr sind, und ich konnte in einem Interview mit David Benioff einiges zu seiner Recherche zu diesem Buch lesen, sodass man wohl davon ausgehen kann, dass seine Geschichte Wahres wiedergibt. Was ich allerdings nicht herausfinden konnte, ist, ob dieses Buch (zumindest teilweise) autobiografisch ist; also möglicherweise die Geschichte seiner Großeltern erzählen könnte.

Insgesamt wird die doch sehr traurige und ernste Geschichte fast schon schlicht dargestellt und einfach "erzählt", ohne dass sich der Schriftsteller durch Aufbauschen von Worten oder detailliertes Beschreiben von Dingen oder Situationen bedienen muss, um Schreckliches oder Grausames zu be- oder umschreiben. Hier lässt er einfach nur die Worte wirken, sodass der Leser mit seiner eigenen Fantasie und Vorstellungskraft entscheiden kann, wie detailliert er sich dies vorstellen möchte. Dennoch findet man eine angenehme Portion Humor in diesem Roman, der besonders die beiden Hauptcharaktere Lev und Kolja menschlich und sehr realistisch erscheinen lässt. Außerdem wird man als Leser mit diesem Roman Zeuge einer Freundschaft zwischen zwei jungen Männern, die sich unter besonderen Umständen kennen lernen und aufeinander angewiesen sind, die anfangs unterschiedlich erscheinen, aber gar nicht so unterschiedlich sind und dessen Freundschaft vor allem davon geprägt ist, dass einer dem anderen hilft, das einander akzeptiert wird und man aus dem anderen letztendlich wie aus einem offenen Buch lesen kann. 


Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil es ein wirklich schöner Roman ist, der dem Leser ein bisschen mehr Substanz und Tiefgang bietet; nicht nur wegen dem historischen Bezug, sondern viel mehr weil es hier um Freundschaft geht. Ein Buch, das - wie ich finde - sich definitiv auch als Geschenk eignet!


27. März 2013

(*rezension*) Die weiße Giraffe

(*rezension*) Die weiße Giraffe

Ganz zufällig bin ich im Internet über eine Rezension zu diesem Buch gestolpert und mein Interesse war sofort geweckt! Afrika, ein kleines Mädchen, eine Giraffe und eine Gabe...das Buch wollte ich auch haben...dabei habe ich noch nicht mal bemerkt, dass es sich hierbei tatsächlich um ein Kinderbuch handelt...



Autorin: Laura St. John
Homepage der Autorin: www.laurenstjohn.com

Verlag: Gulliver (Lizenzausgabe, 4. März 2013)
Homepage des Verlages: www.gulliver-welten.de

Sprache: Deutsch

Kinder- und Jugendbuch (ab 10 Jahre)

256 Seiten

  - > Leseprobe < - -



"Ein warmherziges, aber auch gefährliches Afrika, voller Schönheit und Zauber." Hits für Kids

"Du hast die Gabe!", flüstert Grace der elfjährigen Martine zu, die nach dem Tod der Eltern in einem südafrikanischen Wildreservat gestrandet ist. Hält Gwyn Thomas, die hier das Sagen hat, ihre Enkelin deshalb von allen Tieren fern? Nur der Wildhüter Tendai nimmt Martine ab und zu auf einen Streifzug durch das Reservat mit. Als eines Nachts eine weißte Giraffe am Wasserloch steht, setzt sich Martine über alle Verbote hinweg. Und bald begreift sie, dass sie und das Tier in höchster Gefahr sind...


"Wenn du etwas liebst, lass es los. Wenn es zu dir zurückkommt, ist es deins. 
Wenn nicht, war es nie Deins."
(Seite 77)

Die elfjährige Martine verliert auf tragische Weise ihre Eltern. Die Aussicht, zu ihrer Oma in ein südafrikanisches Wildreservat zu müssen, gefällt ihr gar nicht. Schließlich hat sie noch nie etwas von ihr gehört. Martine willigt schließlich ein und ganz bald sitzt sie schon im Flugzeug, das sie von ihrer bisherigen Heimat England nach Südafrika bringt. Anfangs fühlt sich Martine überhaupt nicht willkommen. Sie fühlt sich zwar auf der Ranch wohl und übernimmt kleinere Arbeiten, auch in der Schule fügt sie sich recht gut ein und versucht mit den Kindern Freundschaft zu schließen. Einzig der Zugang zur ihrer Oma gelingt ihr einfach nicht. Sobald Martine etwas über ihre Mutter wissen möchte, verschließt sich diese. Auch von anderen bekommt sie einfach keine Antworten auf ihre Fragen. Aber warum nur? Und wieso soll sie sich vom Wildreservat fernhalten? Und von welcher Gabe spricht die Zulu-Frau Grace?

Die Autorin übernimmt in "Die weiße Giraffe" die erzählende Person. Das Buch überzeugt mit einer einfachen Schreibweise, die besonders bei der Beschreibung der afrikanischen Landschaft, diese dem Leser sehr bezaubernde Art näherbringt.

Der Leser lernt die elfjährige Martine nach dem Verlust ihrer Eltern als trauriges und verunsichertes Mädchen kennen, die in ihrer Anfangszeit in Afrika zwar unter der unterkühlten Beziehung zu ihrer Großmutter leidet, aber mit der Zeit immer selbstbewusster wird. Was mich allerdings verwundert hat, ist, dass Martine in einer beklemmenden Situation nicht die Hilfe von Tendai, dem Wildhüter, sucht, obwohl dieser sich ihrer oft angenommen hat und ihr viele Dinge der Wildnis erklärt hat. Ebenfalls nicht so gut hat mir die Figur der Großmutter gefallen, die für mich ausschlaggebend für die doch sehr kühle Beziehung zu ihrer Enkelin ist und erst später Zugang zu Martine findet, als diese bereits in Not ist.

Nachdem ich über die Hälfte des Buches in einem Rutsch gelesen habe und mich die Geschichte wirklich eingenommen hat, war ich zum Ende hin doch etwas enttäuscht, dass die Beziehung zwischen Martine und ihrer Großmutter sowie zu Tendai recht oberflächlich gehalten wurden. Es mag vielleicht daran liegen, dass es ein Kinderbuch ist und das Hauptaugenmerk auf die Gabe Martines gelenkt und ihre  werden sollte, aber ich fand schon, dass da Etwas fehlte. Und so war der Bann und die Faszination dieses Buches im letzten Drittel etwas gebrochen.

Dennoch ist "Die weiße Giraffe" im Großen und Ganzen ein wunderschönes Kinderbuch, in dem vielleicht die Beziehungen der Hauptprotagonisten untereinander etwas besser ausgeführt werden könnten. Trotzdem verfolgt man als Leser gespannt die kleinen Abenteuer von Martine und die Entdeckung ihrer eigenen Gabe Für Zwischendurch ein wunderschönes Buch, mitten in Afrika und einer zauberhaften Gabe eines kleinen Mädchens, bei dem ich wieder einmal richtig abschalten konnte und mich in der Geschichte verlieren durfte, mal nicht nach- oder mitdenken musste. Dafür gibt es eigentlich 3,5 Eulchen, aber da ich keine halben Eulchen vergeben möchte, entscheide ich mich für 4 Leseeulchen.


12. März 2013

(*rezension*) Welfengold

(*rezension*) Welfengold

Der Kriminalroman "Welfengold" ist für mich nicht nur ein weiterer Debütroman für die Lovelybooks-Aktion "Debütautoren  2013", sondern auch mein allererster Krimi!



Autor: Rolf Aderhold
Blog des Autors: www.thrillerwerkstatt.wordpress.com

Paperback: 279 Seiten

Verlag: Gmeiner Verlag (1. Auflage; 4. Februar 2013)
Homepage des Verlages: www.gmeiner-verlage.de

Genre: Krimi & Thriller

EUR 9,99 (E-Book EUR 8,99)

- - > Leseprobe < - - 

 Bildquelle: www.gmeiner-verlag.de

Hannover 1966. Jarre Behrend ist Kunsthistoriker und Unternehmer für Abenteuertouren. Einer seiner ersten Kunden ist der britische Colonel Kendrick-Wales. Sein Vater hatte angeblich nach dem Zweiten Weltkrieg Teile des verschwundenen Welfenschatzes gefunden, kurz danach wurde er ermordet. Zusammen begeben sich Jarre und der Colonel auf die Suche nach den als verschollen geltenden Kostbarkeiten. Dabei werden ihnen viele Steine in den Weg gelegt, bis sie schließlich selbst in einen Hinterhalt geraten.

"Jarre war klar, dass es Wahnsinn wäre, sich allein den Attentätern entgegenzustellen, selbst mit einer Waffe in der Hand. Im Moment ging es nur um sein eigenes Leben, nichts sonst. Ohne sich umzusehen, sprintete er in den Wald, dorthin, wo er am dichtesten war. Getrieben von seinem unbändigen Überlebenswillen brach er durch das dichte Unterholz. Die Äste der Fichten schlugen ihm ins Gesicht, zerfetzten ihm die Haut und zerrissen seine Hose. Blut strömte aus seiner Schulter, der Schmerz war ungeheuer. Trotzdem preschte er ungestüm vorwärts, sprang über gefallene Bäume und bahnte sich einen Weg, wo vorher keiner gewesen war." (Seite 90)
Rolf Aderhold wurde in Hannover geboren und studierte Geschichte und Englische Literaturwissenschaft. Er war einige Zeit an der University of Bristol tätig und erhielt ebenfalls eine Lehrtätigkeit an der Universität von Hannover. Nachdem er sich bis dato theoretisch mit Thrillern und Kriminalromanen beschäftigt hatte, fing er selbst mit dem Schreiben an. So veröffentlichte er 2004 eine Kurzgeschichte im Sammelband der Storyolympiade, ebenfalls veröffentlichte er zwei Werk im Selbstverlag bis im Februar 2013 sein erster Kriminalroman "Welfengold" im Gmeiner Verlag erschien. (Quelle: www.thrillerwerkstatt.wordpress.com)

Hannover, 1966 - auch viele Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Vergangenheit nicht vergessen und viele Fragen ungeklärt, wie zum Beispiel die Frage nach dem Verbleib von Teilen des Welfenschatzes. Als der britische Colonel Kendrick-Wales auf Jarre Behrend zukommt und ihn um Hilfe bei der Recherche von ihm vorliegenden Informationen bittet, willigt dieser ein - ohne anfangs zu ahnen, wie prekär diese Informationen sind. Und nicht nur Jarre Behrend und Colonel Kendrick-Wales scheinen diese Informationen zu besitzen, denn ganz offensichtlich sind bereits andere Personen dabei, die Puzzleteile zusammenzufügen...

Das Buch überzeugt mit einer durchgängig erzählten Geschichte und einem flüssigen Schreibstil. Dabei wirft der Leser nicht nur einen Blick auf Jarre Behrendt, sondern erfährt ebenfalls die Entwicklungen aus Sicht der anderen Charaktere.

Was mir an dem Kriminalroman sehr gut gefallen hat und ihn letztendlich für mich interessant gemacht hat, sind die realen Schauplätze wie Braunschweig, Hannover, Clausthal-Zellerfeld, der Harz und ganz besonders Werk Tanne, von dem ich zum Beispiel bis jetzt nichts gehörte hatte. Der Autor selbst gibt dazu weitere Informationen auf seinem Blog Thrillerwerkstatt preis und ein Besuch dort ist auf alle Fälle lohnenswert!

Was das Buch allerdings nicht so recht geschafft hat, ist, dass ich mich als Leserin tatsächlich im Jahr 1966 befinde. Zwar ist der historische Bezug mit der Aufteilung Deutschlands in die Besatzungszonen bzw. die Situation an der Grenze zur DDR beschrieben und auch eindeutig in die Handlungen eingebunden, aber ich musste mich dennoch oft daran "erinnern", dass wir in einer anderen Zeit sind. Vielleicht, weil "cool" für mich ein Wort der 1990-iger ist und Anna Winter für mich auch sehr emanzipiert wirkt und sehr forsch ist, was man ihrer Person durchaus abnimmt, aber mir als Kinder der 1980-iger einfach nicht so recht in mein Bild der 1960-iger passt.
 
Dafür, dass ich bisher keine Krimis gelesen habe, muss ich sagen, dass mir dieser Kriminalroman insgesamt ganz gut gefallen hat und auch mein Interesse an diesem, für mich neu entdeckten Genre geweckt hat.  Für mich ein solider und klassischer Kriminalroman mit seinem Helden, dem Bösewicht und seinen Komplizen und was natürlich nicht fehlen darf, eine dynamische und pfiffige, junge Frau, die dem Helden nicht nur einmal zur Seite steht. Wem also ein klassischer Krimi wie z. B. "Paul Temple und..." gefällt, dem wird sicherlich auch "Welfengold" gefallen und sicherlich werden noch weitere Abenteuer auf Jarre Behrend warten. Ich bin jedenfalls schon gespannt und freue mich darauf!






25. Februar 2013

(*rezension*) Paradiessucher

(*rezension*)Paradiessucher

Nachdem ich in der vergangenen Woche bereits "Wen küss ich und wenn ja, wie viele" von Mara Andeck für die Lovelybooks-Aktion "Debütautoren 2013" gelesen habe, stand diese Woche ebenfalls im Zeichen dieser Aktion. Den Titel, den ich mir ausgesucht habe, ist "Paradiessucher" von Rena Dumont. 




Autorin: Rena Dumont
Homepage der  Autorin: www.renadumont.de

Flexibler Einband: 304 Seiten

Verlag: Hanser Verlag, 1. Auflage (28. Januar 2013)
Homepage des Verlages: www.hanser-literaturverlage.de

Sprache: Deutsch

Genre: Kinder- und Jugendbuch

Preis: 14,90 EUR (D), 15,40 EUR (A), 21,90 sFR



        - - > Leseprobe < - - 



(Klappentext)

Die siebzehnjährige Lenka träumt schon lange davon, mit ihrer Mutter in den Westen zu gehen. Sie hat genug vom bornierten Leben in der böhmischen Kleinstadt, sie möchte Schauspielerin werden, West-Jeans tragen und sich endlich nicht mehr wegducken müssen. 
Doch wie schwer so eine Entscheidung ist, merkt man erst, wenn es ernst wird: die Heimat, alle Freunde und Verwandten zurückzulassen. Die Erinnerungsstücke. Und Pavel, die erste Liebe. Das fremde Land macht es einem auch nicht leicht. Das soll es also sein, das langersehnte Paradies?
Eins steht fest: Zurück können sie nicht. Und langsam gewöhnen sie sich an die verrückte Welt des Asylbewerberheims. An deutsche Zungenbrecher wie >>Landratsamt<< und >>Beamtensesselfurzer<<. Und an die Menschen in ihrem neuen Leben.
"Jetzt ziehst du wieder den Schwanz ein. Erinnere dich an die Schikanen deiner Vorgesetzten. Wie diese opportunistischen Arschlöcher mich nicht auf das >großartige Prager Konversatorium< gelassen haben, wie erniedrigend das war, wie wir geheult haben.

.

.


Wir dürfen nie etwas sagen, wir halten das Leben lang die Schnauze."

Rena Dumont wurde 1969 im tschechischen Prostejov geboren. Nach zwei misslungenen Versuchen einen Studienplatz am dortigen Schauspielkonversatorim zu bekommen, flüchtet sie im Alter von 17 Jahren zusammen mit ihrer Mutter nach Deutschland. Beide verbringen die erste Monate in einem Asylantenheim bis sie später nach München gehen. Nach vier Jahren in der bayrischen Hauptstadt und trotz sprachlicher Defizite erhält Rena Dumont einen Studienplatz an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover und schließt dieses mit Diplom ab. Inzwischen besitzt sie zahlreichen Theater- und Filmerfahrung. Ebenfalls schreibt sie Drehbücher und Kurzgeschichten. Am 28. Januar dieses Jahr erschien im Hanser Verlag ihr teils autobiografisches Erstlingswert "Paradiessucher", das ebenfalls im März auf der Leipziger Buchmesse präsentiert wird. (Quelle: www.renadumont.de)

"Paradiessucher" erzählt die Geschichte von  der alleinerziehenden Mutter Nadja und ihrer siebzehnjährigen Tochter Lenka, die in der damaligen Tschechoslowakei leben und dem starren Leben des damaligen herrschenden Systems überdrüssig sind. Hinzukommt, dass Lenka sich nichts sehnlicher wünscht als Schauspielerin zu werden, sie aber bei der Aufnahmeprüfung am Prager Konversatorium aufgrund der Präsentation eines Werks eines amerikanischen Künstlers scheitert und ihr ebenso Beziehungen zur bzw. Empfehlungen der Partei fehlen. Als völlig unerwartet für beide ein Visum für einen zweiwöchigen Aufenthalt in Deutschland in Haus flattert, steht für Lenka vollkommen außer Frage, was zu tun ist. Auf ins Paradies! Auch wenn es bedeutet, sich von seiner ersten Liebe zu trennen, sich von seiner Familie möglicherweise für immer zu verabschieden...Aber ist das die richtige Entscheidung? In Deutschland erwartet beide eine nervenaufreibende Zeit, mit vielen Ängsten und Zweifeln.

Rena Dumont schreibt in ihrem Erstlingswerk sehr offen, direkt und völlig unverblümt ihre teils autobiografische Geschichte. Aufgefallen ist mir, dass die beiden Hauptcharaktere in manchen Momenten ihre Rolle vertauschen. Oftmals ist die Mutter so aufgeregt, total nervös, ängstlich und unsicher ("Wo ist er hin?", flüstere ich, als sich meine Mutter nach einer Weile neben mich ins Bett legt. "Wer?" "Dein Mut."), während Lenka geradezu von Stärke, Selbstbewusstsein und Überzeugung strotzt und somit ihre Mutter in manch wichtigen und entscheidenden Momenten mitzieht. Für eine 17-Jährige fand ich das mitunter sehr beeindruckend, manchmal fast schon ein wenig unglaubwürdig bzw. ich war doch sehr verwundert. Hat man mit 17 schon so eine starke, gefestigte Persönlichkeit ("Mami, wenn du nicht gehen willst, dann gehe ich allein...") und kann man in einigen Momenten mit 17 auch schon so >abgeklärt< sein? ("Marian und ich haben kein Bett, in dem wir miteinander schlafen können. In unserem Zimmer hält sich meistens meine Mutter auf, in seinem vier Albaner, drei Jugoslawen und ein Slowake...Manchmal tun wir es einfach nachts auf seinem Hochbett...") Nichtsdestotrotz besitzt Lenka einen wirklich starken Charakter. Eindrucksvoll nimmt sie Dinge selbst in die Hand und erhält beispielsweise die Genehmigung zum Schulbesuch um Deutsch lernen zu können.

Insgesamt macht das Buch auch vom Schreibstil her einen guten Eindruck. Es ist in viele kürzere Kapitel aufgeteilt, sehr flüssig geschrieben und leicht zu lesen. Die Gedanken und Gefühle von Lenka sind sehr gut beschrieben und man kann sich somit als Leser sehr gut in ihre Lage versetzen.

Mir hat das Buch gut gefallen; allein schon deshalb, weil ich meine ersten Kindheitsjahre noch zu DDR-Zeiten erlebt habe und ich mich an viele Dinge erinnere bzw. nachvollziehen kann, z. B. das über Politik nur - wenn überhaupt - im Flüsterton geredet wurde und man trotzdem Angst hatte, dass das Gesagte nach außen getragen werden könnte. Sicherlich gibt es unzählige gleiche oder ähnliche Geschichten der Flucht und der Zeit des Asylantenheims, aber ich meine, dass jede dieser Geschichten es wert ist, erzählt zu werden, denn diese Geschichten berühren nicht nur, sie sind oftmals auch sehr traurig und schockierend, aber gleichzeitig auch Zeugnis von unglaublichem Mut, sich einer derart ungewissen Zukunft zu stellen. Ich kann dieses Buch auf alle empfehlen; an diejenigen, die sich für diese Zeit der Geschichte sowie deren Schicksale interessieren, aber auch denen, die damit kaum in Berührung gekommen sind, weil diese Geschichten zeigen, wie viel Mut viele Menschen aufbringen mussten, um einen solchen Schritt zu wagen und dass da so sehnlich herbeigesehnte Paradies ein durchaus sehr dehnbarer Begriff sein kann.



9. Februar 2013

(*rezension*) Wen küss ich und wenn ja, wie viele?

(*rezension*) Wen küss ich und wenn ja, wie viele?


Nachdem ich ja bereits vor knapp zwei Wochen berichtet hatte, dass die ersten Bücher für die Aktion "Debütautoren 2013"  bei Lovelybooks angekommen seien, habe ich mir nun endlich das erste Buch schnappen dürfen. Meine Entscheidung fiel auf das Debüt von Mara Andeck: Wen küss ich und wenn ja, wie viele?

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Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
(auch in der Kindle-Edition erhältlich)

Verlag: Bastei Lübbe (Boje), 1. Auflage (11. Januar 2013)
Homepage des Verlages: www.luebbe.de/ www.boje-verlag.de

Sprache: Deutsch

Genre: Kinder- und Jugendbuch



Sechszehn und ungeküsst

Lilia hat es satt! Da sitzt sie nun an ihrem 16. Geburtstag - die erhoffte Überraschungsparty ist nicht in Sicht, die nächste Klassenarbeit droht, aber das Schlimmste: Lilia hat noch nie einen Jungen geküsst. Das muss sich ändern! Wie passend, dass Lilia sowieso gerade damit beschäftigt ist, ihr Bioreferat zum Thema "Balzverhalten im Tierreich" vorzubereiten. Immerhin sind Menschen auch nur Tiere ohne Fell. Und so beschließt sie kurzerhand, ihr neues Wissen einfach auf ihr eigenes Liebesleben anzuwenden...Ziel des Ganzen: Am Ende will Lilia küssen - und zwar unbedingt den Richtigen!


"Außerdem kenne ich Tom seit dem Kindergarten. Ich war dabei, als er Klara Mayer in den Zopf gebissen hat. Ich habe ihn getröstet, als er deswegen keinen Nachtisch bekam. Ich bin für ihn entrüstet zur Kindergartentante gestapft, weil es ja überhaupt nicht wehtut, wenn man jemanden in den Zopf beißt. Und als sie nicht einlenkte, habe ich ihm meinen Nachtisch geschenkt (Grießbrei, mag ich sowieso nicht.) So beginnen Freundschaften, aber keine Affären." (Seite 42)
"Es dauerte keine Minute, da war der Zettel wieder bei mir. Unter meiner Liste stand: >>Nummer drei und vier kapier ich nicht.<< Ich seufzte tief, dann gab ich es ihr schriftlich. >>Rein äußerlich darfst du nicht aus der Menge herausstechen, sonst picken alle nur mit den Schnäbeln nach dir und du bist schnell unten in der Hackordnung. Aber während du scheinbar unscheinbar mit den anderen mitläufst, musst du dich auch mal was trauen, um die Männchen auf dich aufmerksam zu machen.<< Maiken runzelte die Stirn und dachte nach." (Seite 199) 

"Wen küss ich und wenn ja, wie viele" ist der Debütroman von Maria Andeck, der im Boje-Verlag erschienen ist. Sie studierte Journalismus und Biologie und verbindet in ihrem Debüt ihre Erfahrungen mit Jugendlichen und ihr Interesse für Biologie, gepaart mit einer ganzen Menge Erzählhumor. 
Es geht um Lilia, die ihren 16. Geburtstag hat und vor dem neuen Fernseher sitzt, den sie bekommen hat. Eigentlich hatte sie auf eine Überraschungsparty gehofft, aber alle ihre Freunde müssen entweder lernen. Als sie für eine nicht abgegebene Bio-Klausur ein Referat zum Thema "Balzverhalten im Tierreich" aufgebrummt bekommt, kniet sie sich richtig ins Thema...und stellt fest, dass es gar keinen so großen Unterschied zwischen Mensch und Tier gibt. Oder?!?

Als Leser erfährt man die Gedanken und Gefühle von Lilia und die Geschehnisse in Tagebuchform. Und ihr Tagebuch liest sich wirklich alles andere als langweilig. Maria Andeck bedient sich einer sympathischen, jugendlich frischen Sprache, sodass der Leser förmlich durch die Seiten fliegt, unterbrochen von dem ein oder anderen Lacher. Ergänzt wird Lilias Tagebuch mit den persönlichen E-Mails zwischen ihrem besten Freund Tom und dessen besten Kumpel. Somit erfährt der Leser Dinge, die Lilia nicht weiß bzw. nicht ahnt.

Mit der Tagebuchform lernt man nicht nur die Person Lilia sehr gut kennen, sondern auch alle anderen Charaktere des Buches; man taucht also auch in das Familienleben Lilias ein, aber man lernt genauso gut ihre Freundinnen und Freunde kennen - egal ob es sich um ihre engsten Freunde handelt oder jemand, mit dem sie gerade nicht gut klar kommt. Und ihre Theorien zum Balzverhalten im Tierreich projeziert Lilia munter auf ihre Clique.

Ein unheimlich schöne Geschichte, mit der sich eigentlich jeder identifizieren kann, da man durchaus gerade mitten in dieser Phase namens Pubertät stecken kann oder diese bereits hinter sich gelassen hat und mit diesem Buch Erinnerungen wach werden und man (lächelnd) zurückblicken kann.

Durch meinen Entschluss in diesem Jahr an der Debütautoren 2013-Aktion von Lovelybooks teilzunehmen und ich nun endlich auch mit einem Buch für diese Aktion anfangen wollte, hatte ich mich kurzerhand für dieses Buch entschieden, war aber nicht vollends überzeugt, ob beim Lesen der Funke überspringen würde. Diese Zweifel sollten sich schnell als vollkommen unbegründet herausstellen, denn nach kurzer Zeit habe ich es wirklich in vollen Zügen genossen, diese Geschichte zu lesen, zuzusehen, wenn Lilia ihre aufgestellten Theorien dem Praxistest unterzieht und eigene Erfahrungen sammelt, an die eigene Teenie-Zeit erinnert zu werden...Herausgekommen ist , dass ich während des Lesens wahnsinnig viel und herzhaft lachen musste und mich bestens unterhalten gefühlt habe. Meiner Meinung also ein absolut empfehlenswertes Buch - nicht nur für die jugendlichen Mädels, sondern auch für die "älteren". (Und im Herbst dieses Jahres soll es sogar schon die Fortsetzung geben!)


7. Februar 2013

(*rezension*) Die Lügen des Locke Lamora

(*rezension*) Die Lügen des Locke Lamora


Zugegebenermaßen kann ich bis auf die Biss-Reihe oder die Vampire Acadamy-(Hör-)Bücher kaum Fantasy-Erfahrungen vorweisen. Empfohlen wurde mir dieses Buch von einem guten Freund und zu Weihnachten habe ich es mir aus reiner Neugier sofort bestellt, obwohl viele andere Bücher auf meiner Wunschliste weiter vorne standen. Lange bin ich um das Buch herumgepirscht, denn knapp 850 Seiten sind keinesfalls ohne, wenn man mit dem Genre nicht so vertraut ist, aber ich sollte nicht keinesfalls enttäuscht werden. 




Taschenbuch: 848 Seiten

Verlag: Heyne Verlag (2. April 2007)
Homepage des Verlages: www.randomhouse.de

Sprache: Deutsch

Originaltitel: The Lies of Locke Lamora - The Gentleman Bastard Sequence








        - - > Leseprobe < - -

">>Ein Dieb zu sein ist gar nicht schlimm<<, tröstete Locke. >> Ich war immer einer, so weit ich zurückdenken kann. Stehlen ist ein ehrbares Handwerk, wenn man es nur aus unserer Perspektive betrachtet." (Seite 373)
">> Geborgt <<, erklärte Chains, >> auf ziemlich permanenter Basis von Doña Isabella Manechezzo..."  (Seite 160)
 "Ein altes Camorri-Sprichwort besagt, dass das einzige Beständige im Leben eines Menschen die Unbeständigkeit ist." (Seite 14)

Ein Fantasy-Abenteuer im Breitwandformat

Dies ist die Geschichte von Locke Lamora - Meisterdieb, Lügner und wahrer Gentleman -, der mit seiner Bande die engen Gassen und verschlungenen Kanäle des uralten Herzogtums Camorr durchstreift und die Reicen und Betuchten um ihre Schätze erleichtert. Bis ein skrupelloser Mörder die Herrschaft über Camorr an sich reißen will - und für Locke Lamora das Abenteuer seines Lebens beginnt...

"Die Lügen des Locke Lamora" ist das Erstlingswerk des 1978 geborenen Scott Lynch, der damit auf Anhieb einen großen Erfolg verbuchen konnte. Bereits nach einem Jahr wurde der Folgeroman "Sturm über roten Wässern" veröffentlicht. Und damit sind längst noch nicht alle Abenteuer des Locke Lamora erzählt. Am 11. November dieses Jahres erscheint der dritte Band "Die Republik der Diebe". 

Der erste Band erzählt die Geschichte von Locke Lamora und seiner Bande, den Gentleman-Ganoven, die als Diebe, Lügner und Betrüger ihren Dasein im Herzogtum Camorr bestreiten. Eine Abmachung bzw. ein Vetrag besagt, dass der Adel in Camorr diesen Lügen und Betrügereien nicht zum Opfer fallen darf und daran halten sich auch grundsätzlich alle Banden - bis auf die Gentleman-Ganoven. Als sich ein rücksichtsloser Mörder und Verbrecher an den Fähigkeiten und Talenten Locke Lamoras bedienen möchte, um die Herrschaft in Camorr um jeden Preis zu gewinnen, wirbelt das nicht nur die Pläne der Gentleman-Ganoven durcheinander, sondern bringt sie ebenfalls in große Gefahr und lässt sie seine Macht deutlich spüren. 

Anfangs hatte ich etwas Probleme, mich an die doch sehr ausführlichen Beschreibungen und Erklärungen zu gewöhnen und einige Mal war auch die Versuchung da, einen oder mehrere Absätze zu "überfliegen", aber Geduld und Durchhaltevermögen haben sich definitiv gelohnt, denn für mich ist dieses Buch eine "runde Sache". Die Charaktere sind sehr gut beschrieben und bleiben nicht oberflächlich, ganz im Gegenteil. Es fällt einem sehr leicht, diese irgendwie lieb zu gewinnen. In den von Lynch genannten "Zwischenspielen" gibt es oft Sprünge in die Vergangenheit, insbesondere von Locke Lamora und Jean Tannen, der sich im Laufe des Buches immer mehr zu einer Hauptfigur entwickelt, und somit keine Fragen offen bleiben. Diese Zeitsprünge, die die aktuelle Handlung kurzzeitig unterbrechen, liefern dem Leser viele Erklärungen und Informationen der aktuellen Handlung und lassen es nicht langweilig werden.

Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir die Tatsache, dass Locke Lamora nicht der typische unfehlbare Held ist, sondern ein Mensch mit Stärken und (oftmals körperlichen) Schwächen; jemand, der auch schon für seine Fehler und sein Handeln aufkommen und daraus lernen musste; jemand, der nicht immer auf der Gewinnerseite steht, dessen Arbeit nicht unbedingt als moralisch bezeichnet werden kann, aber sein Handeln auch nicht unmoralisch ist, sondern der, wenn es darauf ankommt, sein Herz am rechten Fleck hat und für seine Freunde eintritt.

Kurz und knapp: Ich kann dieses Buch wirklich nur empfehlen!! Es ist für mich ein etwas "anderes" Fantasy-Buch, einfach weil es nicht den perfekten Helden gibt und es sich nicht der typischen Fantasyelemente bedient, aber dennoch Fantasy ist.


13. Januar 2013

(*rezension*) Sofies Welt


(*rezension*)Sofies Welt

Als es mal wieder an der Zeit war, neues Lesefutter zu bestellen und ich nach einigen Tagen ganz aufgeregt das Buchpaket auspackte - der Inhalt war ja nun wirklich keine Überraschung, da es ja die von mir selbst bestellten Bücher waren -  aber irgendwie blieb ich bei Jostein Gaarders "Sofies Welt" hängen. Und somit war schnell klar, welches Buch den Anfang machen würde. 




Taschenbuch: 624 Seiten
Verlag: Deutscher Tachenbuch Verlag, (14. Auflage 2012)
Homepage des Verlages: www.dtv.de
Sprache: deutsch
Größe und/ oder Gewicht: 21 x 13,4 x 2,6 cm



Kurzbeschreibung

"Wer bist du?" fragt ein unbekannter Absender Sofie in einem Brief. Nach am selben Tag kommt ein Zweiter. "Woher kommt die Welt?" will diesmal der Schreiber wissen. Sofie lässt sich auf das Abenteuer des Denkens ein, und damit beginnt ein intensiver Gedankenaustausch zwischen den beiden. Der Briefeschreiber erklärt und erzählt ihr die Geschichte der Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart. 


"Die Fähigkeit, uns zu wundern, ist das einzige, was wir brauchen, um gute Philosophen zu werden."
(Seite 23)


zum Inhalt

Sofie bekommt kurz vor ihrem 15. Geburtstag plötzlich Briefe von einem Unbekannten. "Wer bist du?" fragt dieser. "Was ist der Mensch?"  Und ehe sich Sofie versieht, befindet sie sich mitten in einem Philosophiekurs der ganz besonderen Art. Und während man selbst zusammen mit Sofie die ganze Geschichte der Philosophie, angefangen von der Antike bis zur Gegenwart, lernt und anhand von viele anschaulichen Beispielen fundiert erklärt bekommt, entwickelt sich nach und nach neben dem Philosophiekurs eine weitere Geschichte. Wer ist eigentlich Hilde? Und warum erhält Sofie Hildes Postkarten, die obendrein auch noch in der Zukunft abgestempelt sind?

zum Inhalt

Aufmerksam geworden auf das Buch bin ich unter anderem durch den Satz vom "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt": "Nach der Lektüre dieses Buches wünscht man sich Philosophie sehnlichst als Pflichtfach in allen Schulen". Und in dieser Hinsicht hält das Buch definitiv was es verspricht! So viel geballtes Wissen zu Kant, Platon & Co.- das haben mir meine Lehrer so nicht vermitteln können! Und so habe ich anfangs das Buch kaum aus den Händen legen können. Würde heute genau SO so mancher Lehrer unterrichten, dann würden wohl die Schüler mehr Interesse am Unterricht bekunden. Frisch und frei weg von der Leber werden Ansichten erklärt, die man einfach nur verstehen kann. 
Ein bisschen verloren geht meiner Meinung nach die Geschichte, die anfangs hin und wieder erwähnt wird und im zum Ende hin immer mehr  Raum einnimmt und Gewichtung bekommt. Und dieser Bogen zwischen  dem Philosophiekurs und der Geschichte um Sofie, Alberto, Hilde und ihrem Vater ist meines Erachtens nach nicht so recht gelungen. Zum Ende hin musste ich also noch mal richtig Anlauf nehmen, um das Buch zu Ende zu bringen. 

Auf alle Fälle hilfreich waren diverse stilistische Mittel, wie z. B. verschiedene Schriftarten für die Erläuterungen der Philosphie sowie für die anderen Geschehnisse rundherum. Außerdem gibt es zu den einzelnen Themen des Philosophiekurses (Epoche, Philosophen etc.) immer einen kurzen, aber wegweisenden Kommentar. Und sollte man mal etwas nachschlagen wollen oder nachlesen müssen, vergesst einfach Google, vergesst Wikipedia oder euer Lexikon zu Hause! Im Anhang findet ihr ein Namens- und Sachregister, was jede Suche erleichtert, sodass wirklich alles und zu jedem Thema schnell gefunden werden kann...inklusiver anschaulicher Erklärung, bei der niemandem die Philosophie verschlossen bleibt.

Fazit

Nichtsdestotrotz würde ich dieses Buch definitiv empfehlen. Es bringt einem nicht nur die Philosophie ein beträchtliches Stück näher, sondern ich mir sicher, dass jeder etwas Nützliches aus diesem Buch mitnimmt, ob es einem nun gefällt oder nicht. (Dümmer wird man davon nicht ;-P.) Und wer bereit ist, sich auf verschiedene Ansichten und Denkweisen einzulassen, der findet sicherlich den ein oder anderen Anstoß, um Antworten auf philosophische Fragen zu finden, die sich - und da bin ich mir ebenfalls sicher - die meisten irgendwann ein mal im Leben stellen. 
Auch wenn mit einigen Abzügen also ein lesenswertes Buch! 

Ein Blick ins Buch

10. Januar 2013

(*rezension*) Die Psychologin

(*Rezension*) Die Psychologin

Pünktlich zum Jahresbeginn stand ich vor meinem reichlich mit ungelesenen Büchern gefülltem Bücherregal und hatte die Qual der Wahl. Die Entscheidung war nicht gerade leicht, aber letztendlich habe ich mich für den Roman "Die Psychologin" von Carolyn Jess-Cooke entschieden.




Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (12. November 2012) 
Homepage des Verlages: www.piper-verlag.de 
Sprache: Deutsch 
Originaltitel: The Boy Who Could See Demons
Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 3 cm




"Ich bin ein Eggenmann. Meine Aufgabe ist es, mich einzuschalten, nachdem die Schranken durchbrochen wurden, nachdem die Handlungen vollbracht worden sind und nachdem auch die Reue ihre Zähne tief ins Gedächtnis geschlagen hat. Dann egge ich die Seele, bis sie reif ist für die Samen des Zweifels und der Hoffnungslosigkeit, für die keine Sprache der Menschheit einen adäquaten Wortschatz besitzt. Ich könnte euch tausend Übersetzungen von >Qual< in den verschiedenen Sprachen der Menschenwelt geben, denn sie sind alle unterschiedlich, und doch keine davon kann auch nur annähernd die Komplexität dieser Gefühle erfassen. Der Grund dafür ist, dass es für die Arbeit, die ich leiste, keine Übersetzung gibt. Niemand muss erst in die Hölle geholt werden, um sie zu erfahren."
(Seite 203/ 204)


Kurzbeschreibung:

Anya Molokov ist Kinderpsychologin. Keine leichte Aufgabe für eine Frau, die ihre eigene Tochter unter mysteriösen Umständen verloren hat. Ihr Trauma erwacht zu neuem Leben, als Anya dem hochbegabten Alex begegnet. Denn der Zehnjährige sieht Dinge, die sonst niemand sehen kann. Und er kennt Geheimnisse von ihr, die sie niemandem je anvertraute. Je enger das Band zwischen den beiden wird, desto entschlossener ist Anya, Alex seinen Dämonen zu entreißen – egal, um welchen Preis … 

zum Inhalt

Ich kann nicht mehr sagen, mit genau welcher Erwartung ich an das Buch gegangen bin. Vielleicht habe ich mehr Spannung erwartet, vielleicht mehr Fachchinesisch oder mehr Grusel. Gefunden habe ich jedoch einen "richtigen" Roman, eine leicht nachzuempfindende Geschichte über eine Kinderpsychiaterin Anya Molokov, die den Tod der eigenen Tochter auch nach Jahren nur äußerst schwer verkraften kann und deren Wunden immer wieder aufgerissen werden. Durch ihre Arbeit im MacNeice House , einer psychiatrischen Einrichtung für Kinder und Jugendliche in Belfast, lernt Anya den zehnjährigen Alex Broccoli kennen. 

Er lebt zusammen mit seiner Mutter und seinem Hund in ärmsten Verhältnissen. Die Familie erhält soziale Hilfe und Unterstützung von Michael, einem Sozialarbeiter, der sehr um die Familie bemüht ist. Und jede Art von Hilfe ist dringend notwendig da Alex' Mutter schon mehrere Selbstmordversuche unternommen hat.
Im Laufe des Buches wird immer deutlicher, wie eng die Beziehung von Alex zu seiner Mutter ist, auch wenn diese kaum in der Lage ist sich entsprechend um ihren Sohn zu kümmern, denn in entscheidenden Moment ist es Alex, der sich um seine Mutter kümmert und sich für sie verantwortlich fühlt. 

Bereitwillig und von Anfang an sehr vertrauensvoll berichtet Alex Anya davon, dass er Dämonen sehen kann, und einer dieser Dämonen ist in den vergangenen Jahren zu seinem besten Freund geworden. Der Versuch, Alex zu behandeln und den Grund seiner Wahnvorstellungen zu finden, lässt Anya's Erinnerungen an ihre Tochter wach werden und ein weiterer Schicksalsschlag bringt Alex und Anya in Gefahr. 

Literatur zu psychischen Erkrankungen kann man sicherlich nicht so einfach als "schön" bezeichnen, aber dieses Buch überrascht tatsächlich mit einem unheimlich schönen Schreibstil. Ich brauchte nur wenige Seiten, um mich in die Geschichte (aber auch in die Hauptpersonen) hineinzufinden, die abwechselnd aus Sicht des zehnjährigen Alex und der Psychologin Anya beschrieben sind. Die Wahnvorstellungen von Alex sind so überzeugend und real beschrieben, dass sie einem weder dunkel noch wie ein Alptraum erscheinen und auch nicht von grundsätzlich böser Natur bzw. Absicht geprägt sind. Sie sind da und sind Teil von Alex' Alltag. 

Auch wird die Handlung der Geschichte in keinem Moment von ausschweifenden oder überladenen fachlichen Erklärungen zu psychischen Erkrankungen unterbrochen. Ganz im Gegenteil. Vom ersten Moment verfügt der Roman über ein Erzähltempo, bei dem man das Buch nicht beiseite legen möchte und es fast unmerklich in einem Rutsch liest.

Fazit

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn es vielleicht nicht zu dem Typ Buch gehört, von dem man noch lange Zeit nach dem Lesen schwärmt. Aber die sensible und einfühlsame Darstellung der Personen im Buch macht es zu einem guten Gesamtpaket und damit zu einem durchaus empfehlenswerten Buch!


Blick ins Buch